Leihmütter für Homosexuelle

Foto: DPA
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Wenn Männer bei der Leihmütter-Flatrate zugreifen: In vielen Ländern boomt das Baby-Geschäft für Homosexuelle. Die Risiken für Frauen gehen in der Propagandaschlacht unter.

 


Kaum hatte Wolfgang Joop unlängst im RTL-Interview festgestellt, wie „phantastisch“ Kinder in schwulen und lesbischen Beziehungen aufwachsen, da bezeugten dies auch schon zahlreiche Elternpaare auf der „Surrogacy Conference“ kurz danach in London. Es handelt sich dabei um eine Leihmüttermesse von „Families Through Surrogacy“ – Anschauungsunterricht für jene, die ein Kind rechtlich abgesichert und ärztlich geprüft bestellen möchten.

Neben den anwesenden „Weltklasse“-Experten, Juristen und Reproduktionsmedizinern, finden sich dort vor allem Leihmütter-Agenturen, interessierte Eltern in spe und jene ein, die auf diesem Weg eine Familie gegründet haben. Es geht um Verträge, Paragraphen, Gesundheitschecks und viel Geld.

 

Gelobtes Land der schwulen Leihmütter-Kunden

 

Zu der wachsenden Klientel gehören vor allem homosexuelle Männer, die den Wunschtraum von einer Familie naturgemäß nur über eine Leihmutter verwirklichen können und sich schon deshalb „genau dazu entscheiden, wo andere Leute reinrutschen“, so Joop. Tatsächlich wollen immer mehr schwule Paare Leihmütter beauftragen. Ein Fertilitätszentrum in Kanada hat beispielsweise dokumentiert, dass in den Jahren zwischen 2007 und 2011 mehr als zwanzigmal so viele schwule Paare zu seinen Kunden gehörten wie noch in dem halben Jahrzehnt davor. Dementsprechend wenden sich die einschlägigen Agenturen immer häufiger und mit PR-Raffinesse an diese Kundschaft, etwa auf www.britishsurrogacycentre.com. Die dort abgebildeten Gentlemen würden jedem Alumni-Journal von Eton Ehre machen, waren womöglich sogar dort, denn diese „Paare sind meistens etwas gebildeter“, weiß Joop.

 

Das gelobte Land für die schwulen Leihmütter-Kunden sind freilich die Vereinigten Staaten, da medizinisch und juristisch hier den prospektiven Eltern Topstandards geboten werden, nur kostet das eben. Daher hält die Londoner Konferenz neben Tipps zur besseren Finanzierbarkeit einer Leihmutterschaft in den Vereinigten Staaten auch Informationsmaterial über Indien bereit, neben den angepriesenen neuen Zielregionen wie Nepal und Mexiko immer noch die am ehesten bezahlbare Alternative.

 

Schnupperpakete für Leihmutterschaften

 

Dort gibt es das Schnupperpaket für 15000 Dollar mit Leihmutter der Wahl und drei Zyklen künstlicher Befruchtung bis hin zum All-inclusive-Angebot für ein Vierfaches dieses Honorars. Das beinhaltet eine Flatrate für unlimitierte Leihmutterschaften, bis es klappt mit einer Geburt, plus Extraarrangement für Zwillinge oder Drillinge ohne Aufpreis. Schnäppchen, solange der Samennachschub reicht. Wohlweislich unerwähnt blieb in London die bemerkenswerte Studie von Marlene Tanderup und ihrem Team vom Zentrum für Sozialmedizin im dänischen Aarhus. Zusammen mit Forschern der Jawaharlal-Nehru-Universität in Neu-Delhi ist es ihnen gelungen, Vertreter von Leihmütter-Agenturen, Leihmütter selbst und Ärzte von insgesamt achtzehn Kliniken zu interviewen, wo man pro Zentrum bis zu fünfzehn Frauen pro Monat zu Leihmüttern macht.

 

Die Studie erschüttert das romantisch-verklärte Bild von der indischen Leihmutter, die sich und der eigenen Familie ein besseres Leben verschafft. Stattdessen wird darin ein Blick in die schäbigen Hinterhöfe des Reproduktionstourismus geworfen. Ein Tourismus, der alle ideellen und geldwerten Vorteile den Eltern, Ärzten und Agenturen zuschustert und die Gesundheitsrisiken der Leihmütter wissentlich in Kauf nimmt.

 

Die Vertreter der Agenturen unterhalten eigens soziale Netzwerker in Armutsenklaven, die die Frauen rekrutieren. Keine einzige der befragten Leihmütter konnte sagen, wie viele Embryonen ihr eingepflanzt worden waren. Keine wusste, was es bedeutet, wenn überzählige Embryonen in ihrem Bauch getötet –„reduziert“ – werden. Es ist durchaus nicht unüblich, mehrere Embryonen einzupflanzen, um die Erfolgschancen für ein Kind zu erhöhen. Wachsen aber drei oder mehr in der Gebärmutter der Leihmutter heran, wird wegen der Gefahren einer Mehrlingsschwangerschaft wieder reduziert, am liebsten auf zwei. Zwillinge sind nämlich vorteilhaft, eine Art Happy Hour für die Eltern in spe, wie es ein Arzt beschreibt: „Wenn sie Zwillinge kriegen, heißt das ‚two in one shot‘; sie müssen nicht doppelt zahlen.“ Was das patriarchalisch grundierte indische Gesundheitssystem von den Leihmüttern hält, wird erstaunlich freimütig von einem Arzt offenbart: „Nein, wir fragen sie (die Leihmütter) nie, und sie werden nicht mal darüber informiert, wie viele übertragen werden. Das sind ungebildete Mädchen, Analphabeten.“ In einer ebenfalls aus Indien stammenden Publikation von Ökonomen zum Thema Investmentstrategie im Leihmuttergeschäft zählten diese Frauen wohl zu den als low-type surrogates bezeichneten Vertreterinnen.

 

Quelle:

http://www.faz.net/aktuell/feuilleton/debatten/leihmutterschaft-fuer-homosexuelle-13529689.html

 

Artikel von Rudi Tom entdeckt

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