Wer ist eigentlich Joyce Meyer?

Joyce Meyer
Joyce Meyer

idea Spektrum

2. Dezember 2009

idea-Reporter Karsten Huhn

 

Sie hat die Forschheit eines Marktschreiers und die Stimme eines Brigadegenerals. Sie erzählt lebensnahe Geschichten, die vor allem weibliche Zuhörer in den Bann ziehen. Ihr Gesicht wirkt dabei nahezu unbewegt. Zwei steile Furchen ziehen sich von der Nase zu den Mundrändern abwärts, ansonsten ist Joyce Meyer auffallend faltenlos. Ihre Bücher und Konferenzen haben sie zur Millionärin gemacht. Kritiker werfen Joyce Meyer vor, sie würde ein Wohlstands evangelium verkündigen. Sie selbst sagt von sich: „Niemand hat mir beigebracht, wie man predigt. Gott hat es mir beigebracht.“ Der Eintritt in Basel ist frei, an den Eingängen drängen sich die Menschen. Einnahmen werden während der Konferenz durch drei Kollekten sowie durch den Verkauf von Joyce-Meyer-Produkten erzielt. Drei Auftritte hat Joyce Meyer, eine Übersetzerin überträgt sie simultan ins Deutsche. Vorher spielt jeweils die Hillsong-Band aus London fetzigen Lobpreis. „Es muss mehr geben, als sonntags fromme Lieder zu singen und die ganze Woche mit dem Mann zu streiten“, sagt Joyce Meyer. Eine Frau tritt auf die Bühne, um für die Büchertische zu werben, die im Foyer aufgebaut sind. Um zu verstehen, wer Gott ist, müsse man sein Wort studieren, sagt sie. Deshalb gebe es den Büchertisch mit DVDs und CDs von Joyce Meyer sowie ihrem neuem Buch „Die Liebesrevolution“. „Wir müssen euch beibringen, wie man gibt“, sagt Joyce Meyer und lädt zur ersten Kollekte für ihre Arbeit ein. „Es gibt nichts Unattraktiveres als einen selbstsüchtigen Christen.“ Die Zuhörer müssten es lernen, ins Königreich Gottes zu investieren.


Wie ein Luxushotel


Joyce Meyers eigenes Königreich kann man in Fenton besichtigen, einem Vorort von St. Louis im US-Bundesstaat Missouri. Dort steht die Zentrale ihres Missionswerkes, Joyce Meyer Ministries. Im Jahr 2003 hat sich dort eine Reporterin der „St. Louis Post“ umgeschaut. Die 20 Millionen Dollar teure Zentrale mit smaragdfarbener Glasfassade sehe wie ein Luxushotel aus, schreibt sie und zitiert aus einer Inventarliste eines Steuerschätzers: „Ein Paar Dresdner Vasen für 19.000 Dollar, sechs französische Kristallvasen für 18.500 Dollar, ein Dresdner Porzellan, das die Weihnachtsgeschichte darstellt … In Joyce Meyers Büro steht ein Konferenztisch mit 18 Stühlen für 49.000 Dollar. Die Holzarbeiten in dem Büro von Meyer und ihrem Ehemann kos teten ihre Organisation 44.000 Dollar.“ Alles in allem ermittelte der Steuerschätzer für Möbel, Kunstwerke sowie die neuesten Geräte und Maschinen einen Wert von etwa 5,7 Millionen Dollar. Das unternehmenseigene Flugzeug kostete 10 Millionen Dollar. Erwähnen könnte man noch das zwei Millionen Dollar teure Haus der Meyers mit beheizbarer Garage und acht Stellplätzen. 


Im Krieg mit Satan


„Wir werden es dem Satan nicht erlauben, den Krieg zu gewinnen“, sagt Joyce Meyer in Basel. „Wir gebieten Satan in Jesu Namen, dass es keine Störungen geben wird und jeder konzentriert zuhören kann.“ Sie will einen Vers aus dem ersten Johannesbrief vorlesen, aber sie findet die Bibelstelle nicht. Also klappt sie ihre Bibel wieder zu und klemmt sie sich unter den linken Arm. „Ich lehre seit 32 Jahren das Wort Gottes“, sagt Joyce Meyer. Man brauche Glauben, um nicht in Furcht zu leben. Furcht komme vom Satan, der versuche, einem den Glauben wieder auszureden. Viele Christen hätten zwar Glauben, aber sie vergäßen, ihren Glauben freizusetzen. Zum Beispiel eben, bei der Kollekte, hätten zwar einige gegeben, aber ohne dabei ihren Glauben freizusetzen. Den Glauben setze man durch Beten, Sprechen und Handeln frei. Wer beim Tischgebet einfach nur bete, ohne seinen Glauben freizusetzen, könne gleich ganz auf das Gebet verzichten. Joyce Meyer hat ihren Glauben freigesetzt, überall in der Welt laufen ihre Programme. Aber Satan versucht durch viele Türen einzudringen, sagt Joyce Meyer. Die Furcht komme vom Satan. „Furcht bringt den Satan zum Lachen.“ Dann ahmt Joyce Meyer das Lachen des Satans nach.


Im Nagelstudio


Man dürfe nicht die Anerkennung durch Menschen suchen, sondern die von Gott. Wenn man mit einer neuen Frisur ins Büro komme, solle man nicht auf Anerkennung warten. Einmal sei sie im Nagelstudio gewesen, erzählt Joyce Meyer. Da habe die Stylistin zu ihr gesagt, die Farbe, die sich Meyer ausgesucht hatte, gefalle ihr nicht. Da habe sie die Farbe genommen, die der Stylistin gefiel. Und Gott habe sie ausgeschimpft, weil sie sich nicht die Farbe genommen hatte, die ihr selbst gefallen habe. Kurze Unterbrechung. Ihr ältes ter Sohn David kündigt die Sammlung der Kollekte an. Auch ihr Mann Dave hat einen kurzen Auftritt. Er bringt einen Mantel auf die Bühne, den sich Joyce Meyer anzieht. So wie sie solle jeder die Gerechtigkeit Christi anziehen, erklärt Joyce Meyer. Die Organisation Joyce Meyer Ministries ist in gewisser Hinsicht ein Familienunternehmen: Joyce Meyer ist die Präsidentin, ihr Mann Vizepräsident und Sohn David ist Vorstandschef der Tochterorganisation „Hände der Hoffnung“. 


Wohlstand, Erfolg, Freude


In 38 Sprachen predige sie das Evangelium auf der ganzen Welt und nie gehe sie ohne Zuversicht in die Veranstaltung, sonst könne sie ja gleich dem Satan die Veranstaltung überlassen. Der Satan versuche einem Angst einzujagen und den Sieg zu rauben. Gottes Wille sei es, dass wir in Wohlstand, Erfolg, Freude und Gunst leben. Aber wer in Furcht lebe, werde das niemals erleben. Viele Christen hätten zwar genug Glauben, um aus der Hölle draußen zu bleiben, aber nicht genug Glauben, um im Sieg zu wandeln. Joyce Meyer wandelt im Sieg. Dem Bericht der „St. Louis Post“ zufolge betrug ihre Vergütung in den Jahren 2002 und 2003 900.000 Dollar, ihr Mann bekam 450.000 Dollar. Nach öffentlicher Kritik reduzierte Meyer ab dem Jahr 2004 ihr Jahresgehalt auf 250.000 Dollar; so weist es auch der Geschäftsbericht für 2008 aus. Um zu zeigen, wie man im Sieg wandelt, erzählt Joyce Meyer noch ein Gleichnis: Einmal, ganz am Anfang ihres Dienstes, habe sie ein Seminar gehalten. Sie habe einen Kassettentisch aufgebaut und der Satan habe „Du Dummkopf“ zu ihr gesagt, sie werde niemals so viele Kassetten verkaufen. Aber dann sei das Seminar völlig überfüllt gewesen und die Teilnehmer hätten anschließend alle Kassetten weggekauft.


Ein seltsamer Pfiff


Am nächsten Tag, gleich zu Beginn des Vortrags, passiert etwas Seltsames. Joyce Meyer ruft ihren Mann zu sich auf die Bühne. „Dave“, ruft sie. Doch Dave kommt nicht sofort. Da spitzt Joyce Meyer kurz den Mund und pfeift ihren Mann zu sich heran. Dave Meyer erscheint, ein kurzes Gespräch über die vier Kinder, neun Enkelkinder und 42 Ehejahre, dann darf Dave wieder gehen. Joyce Meyer stellt die Arbeit ihres Werkes vor und fordert dazu auf, es finanziell zu unterstützen. Die Organisation tut Gutes: Sie unterhält 46 Waisenhäuser in Ländern wie Indien, Myanmar und Kambodscha; ernährt jeden Tag 55.000 Kinder; hilft jungen Frauen in Kambodscha aus der Prostitution auszusteigen; hat über 200 Frischwasserbrunnen gegraben, 300.000 Patienten medizinisch versorgt und bisher über 1,8 Millionen Hygienebeutel in Gefängnissen ausgegeben. Der Geschäftsbericht weist für 2008 einen Umsatz in Höhe von 112 Millionen Dollar aus; 84% der Einnahmen werden für Hilfe eingesetzt. „Eine Kirche ist keine Kirche, wenn sie nicht Mission betreibt und sich um Arme und Bedürftige kümmert.“ Ein Video wird eingespielt. Es zeigt Waisenhäuser in Asien, Kinder, die auf Müllkippen nach Nahrung suchen, Joyce Meyer mit Sonnenbrille, Menschen mit Ausschlägen und Geschwülsten, Joyce Meyer mit schwarzen Kindern auf dem Schoss. Als das Video zu Ende ist, erzählt Joyce Meyer, dass sie täglich zwei Dritteln der Welt das Evangelium verkündige. Dann betritt David Meyer die Bühne und erinnert an den Büchertisch, an dem es auch Kugelschreiber, Ketten, Tassen und Kalender von Joyce Meyer gibt. Er stellt Joyce Meyers Bestseller „Der richtige Start in den Tag“ vor und empfiehlt ihr meistverkauftes Buch, „Das Schlachtfeld der Gedanken“. „Meine Mutter hat über 80 Bücher geschrieben“, sagt David Meyer. Und die Besucher sollten nicht vergessen, die Bestellkarten auszufüllen, mit denen man acht Mal im Jahr einen „Brief von Joyce“ und vier Mal im Jahr eine Zeitschrift beziehen kann. 


Ihr Sohn: „Jedes Land möchte, dass Joyce kommt“


„Jedes Land auf der Welt möchte, dass Joyce kommt“, sagt David Meyer. „Jetzt möchte ich meinen Lieblingsprediger in der ganzen Welt vorstellen“, sagt David Meyer. „Meine Mutter!“ „Ich möchte, dass ihr aufwacht und die Rosen wieder riecht“, sagt Joyce Meyer. Viele Christen gingen in den Gottesdienst und nach Hause – in den Gottesdienst und nach Hause, Joyce Meyer wiederholt es ein paar Mal mit einem leiernden, genervten Ton. Jeder Teilnehmer solle sich zur Liebesrevolution verpflichten, zur plötzlichen, radikalen Veränderung. Liebe sei die höchste Form von geistlicher Kriegsführung.


Am Rande der Matratze


Die Liebe scheine ein Geheimnis zu sein, über das man bisher nicht viel gehört habe. Es tue ihr leid, dass sie so lange gebraucht habe, um das zu begreifen, sagt Joyce Meyer. Sie wolle den Rest ihres Lebens dafür widmen, anderen zu helfen. In ihrem mehr als 30-jährigen Dienst habe sie gelernt, dass Menschen nichts mehr bräuchten als Vergebung. Oft sei sie selbst zornig und bitter gegen ihren Ehemann Dave gewesen. Sie habe eine Mauer gegen ihn aufgebaut und dabei nicht gemerkt, dass sie sich selbst eingemauert habe. Nachts habe sie auf der äußersten Kante der Matratze geschlafen, weil sie sauer auf Dave war. Manchmal habe er die ganze Bettdecke für sich gehabt, aber sie habe lieber gefroren, als ihn zu bitten. Die Halle lacht. Erzählen kann Joyce Meyer wirklich gut. Sie beherrscht die Kunst der Übertreibung, sie kann andere gut nachahmen, kann bei Bedarf stampfen, schnaufen, meckern oder die Augen rollen. 


Sexuell missbraucht


Dann erzählt Joyce Meyer, dass sie von ihrem Vater 15 Jahre sexuell missbraucht worden sei. Jahrzehntelang sei sie zornig auf ihn gewesen. Aber Gott habe ihr gesagt, dass sie ihrem Vater vergeben solle. Da habe sie ihren Eltern in der Nähe ein Haus gekauft, um sich um sie kümmern zu können. Mit 80 sei ihr Vater Christ geworden und sie habe ihn getauft. Man solle für seine Feinde beten und Böses mit Gutem überwinden. Noch eine Geschichte: Jeden Morgen verbringe sie viel Zeit damit, um sich die Haare zu waschen, sich zu schminken, anzuziehen und im Spiegel anzuschauen. Umso mehr Zeit solle man damit verbringen, sich geistlich zu kleiden – und Gerechtigkeit, Frieden, Wahrheit und Liebe anzuziehen. So solle es auch in der Ehe sein. Viele heirateten und erwarteten, dass der andere einen glücklich mache. Dabei solle es doch umgekehrt sein: Man lebe, um den anderen glücklich zu machen. Diese Minuten sind die stärksten in der gesamten Konferenz. Ganz nah ist Joyce Meyer da bei den Menschen.


„Durchbruch! Durchbruch!“


Wie verwandelt beginnt sie ihren dritten Auftritt. Die Lobpreisband hat emotional bereits kräftig vorgearbeitet und nun kommt das große Finale. „Wir reißen die religiösen Festungen ein, die tote, trockene Religion“, sagt Joyce Meyer. „Jeden Tag eures Lebens könnt ihr mit Kraft leben, mit Kraft, nicht mit Schwachheit.“ Der Satan versuche, diese Kraft niederzureißen, aber das werde man nicht zulassen. Man könne in der natürlichen Welt übernatürlich leben und dazu gehöre auch eine übernatürliche Sprache. „Ich glaube, dass jeder diese Gabe haben sollte.“ Warum? „Wenn du in dieser himmlischen Sprache sprichst, kann der Satan dich nicht verstehen. Du betest und weissagst Dinge über deine eigene Zukunft, die du selbst nicht verstehst, weil dein Verstand sie nicht begreifen kann.“ Manche Zuhörer seien noch nicht mit dem Heiligen Geist getauft und das will Joyce Meyer nun ändern. „Ich sage nicht, dass du den Heiligen Geist nicht hast. Aber hat der Heilige Geist dich?“ – „Hast du gerade genug, dass es bis zum nächsten Sonntag reicht, oder hast du den Überfluss, mit dem du im Sieg wandelst?“ – „Egal, ob ihr dieses Gebet wollt oder nicht, ich werde dieses Gebet über euch beten.“ – „Ich fühle mich vom Heiligen Geist geführt, dies zu tun.“ Die Menge jubelt. Dann ruft Joyce Meyer das Feuer des Heiligen Geists über der Menge aus. „Sei gefüllt! In Jesu Namen! Von Kopf bis zu den Füßen! Von innen und außen! Sei gefüllt mit dem Heiligen Geist!“ Die Halle braust und summt, auch Joyce Meyer brabbelt Unverständliches. Die Übersetzerin hat vorübergehend ihre Arbeit eingestellt und brabbelt ebenfalls. „Das ist Durchbruch“, schreit Joyce Meyer. „Durchbruch! Durchbruch!“ Dann gibt sie wieder unverständliche Silben von sich. Meyer steht mit ausgebreiteten Armen am Bühnenrand und ruft: „Wunderbar! Wunderbar! Wunderbar!“ „Wir haben eine gute Dosis des Heiligen Geistes bekommen. Ihr hattet viel Spaß hier! Meine Güte! Ihr seid richtig radikal hier!“


240.000 Euro Kollekte


Ein weiterer Werbespot für Joyce Meyer Ministries wird gezeigt und die nächste Kollekte eingesammelt.
David Wessler – der Geschäftsführer des Hamburger Büros von Joyce Meyer Ministries – redet offen über Zahlen. Ihm zufolge erbrachten die drei Kollekten in Basel etwa 240.000 Euro; der Umsatz an den Büchertischen beträgt gut 100.000 Euro. „Joyce Meyer steht zu ihrem Reichtum“, sagt Wessler. „Er kommt nicht aus Spenden, sondern aus dem Verkauf ihrer Bücher und Vorträge. Diese haben schon vielen Menschen geholfen, im Glauben zu wachsen. Joyce Meyer spendet einen höheren Betrag an ihr Werk als dieses an sie an Gehalt zahlt. Letztlich zahlt sie sich ihr Gehalt also selbst und das Werk hat davon noch profitiert, oder habe ich falsch gerechnet?“


Schwarze Löcher in Tomaten


Sie sei ziemlich kühn und direkt, sagt Joyce Meyer in Basel. Falls nötig, springe sie ihren Zuhörern ins Gesicht. Aber wenn Gott jemanden salbe, dem gebe er auch Gunst. 18 Büros unterhalte sie in der Welt, seit kurzem auch in Hamburg. „Ihr werdet erwachsen werden, wenn ihr in meiner Lehre bleibt.“ An dieser Stelle muss Joyce Meyer noch eine Berufungsgeschichte erzählen. Denn Joyce wollte nicht Tomaten einlegen, sondern beten und den Satan austreiben. Da hätten ihre Freunde zu ihr gesagt: „Joyce, du gehst zu weit.“ Haus putzen, backen, Wäsche waschen – das sei ja alles nicht falsch, nur eben nichts für Joyce. Sie habe mal versucht, normal zu sein, aber sie sei eben nicht normal. „Normale Frauen benehmen sich nicht so wie ich.“ Einmal habe sie doch Tomaten angebaut, so wie ihre Nachbarin. Und was passierte? Über Nacht hätten Käfer schwarze Löcher in die Tomaten gefressen. Bei der Nachbarin nicht. Dabei hatte Joyce sogar über ihre Tomaten gebetet. Warum hat der Satan erlaubt, die Tomaten zu zerstören, hat sich Joyce da gefragt. Ganz einfach: „Gott hat mir niemals gesagt, dass ich Tomaten anbauen soll. Ich sollte das Wort Gottes lehren und nicht Tomaten anbauen!“ Man solle eben nicht Tomaten anbauen oder täglich vier Stunden beten, wenn man dazu nicht berufen sei. Joyce Meyers Berufung sei es, das Wort Gottes zu verkündigen: „Ich weiß nicht, was ich als Nächstes sagen werde. Aber was immer ich sagen werde: Es wird richtig sein, weil ich mit dem Heiligen Geist gesalbt bin!“ 


Für Theologen ein Alptraum


„Für Theologen bin ich ein Alptraum“, sagt Joyce Meyer, die Bibel unter dem linken Arm geklemmt. Theologen mit 12 Abschlüssen würden bei ihr Hautausschlag kriegen. Manchmal müsse sie im Inhaltsverzeichnis der Bibel suchen, um die Bücher zu finden, sagt sie, aber das mache nichts. Seelsorge sei nichts für sie, sagt Joyce Meyer. Sie ahmt die Ehefrau ihres früheren Pastors nach. Die sei so eine Blonde, Einfühlsame, mit zuckersüßer Stimme. „Sie hatte die Gabe des Erbarmens, ich wusste nicht einmal, wie man Erbarmen buchstabiert.“


„Sitz nicht länger am Pool“


Nie habe sie an einer Universität studiert. Dennoch habe sie mehrere Abschlüsse, einen Doktor- und zwei Ehrendoktortitel. „Wenn ich wollte, könnte ich mich Doktor Reverend Joyce Meyer nennen. Aber das will ich nicht. Ich bin nur Joyce.“ In der Bibel gibt es eine Geschichte, in der ein Mann seit 38 Jahren an einer Krankheit leidet und an einem Teich lagert, bis Jesus kommt und ihn heilt. Auf diese Geschichte kommt Joyce Meyer kurz zu sprechen: „Sitz nicht länger in verkrüppelter Position am Pool und warte auf ein Wunder“, ruft sie. „Es ist Zeit für das Volk Gottes, aufzustehen!“ Ist das das Ende der Predigt? Fast. Etwas fehlt noch: Der Hinweis auf den Büchertisch! Das übernimmt Joyce Meyer diesmal selbst. „Die Liebesrevolution“ ist schon ausverkauft. Aber die große Joyce-Meyer-Box mit Büchern, CDs und DVDs und einem Schlüsselanhänger, die gibt es noch. Das Beste daran: Wenn die Box leer ist, kann man sie als Spendenbox für die Mission und die Armen benutzen, sagt Joyce Meyer.

 

Sie ist weltweit die bekannteste Verkündigerin: Die Sendungen der Fernsehpredigerin Joyce Meyer laufen nach eigenen Angaben auf 630 Fernsehstationen in 38 Ländern. Ihre Bücher wurden in 80 Sprachen übersetzt und haben sich mehr als 12 Millionen Mal verkauft. Das Magazin „Time“ zählt sie zu den 25 einflussreichsten evangelikalen Christen in den USA. Kritiker werfen Joyce Meyer vor, extrem charismatische Ansichten zu vertreten. idea-Reporter Karsten Huhn besuchte im November eine zweitägige Konferenz von Joyce Meyer in Basel, an der über 9.000 Menschen teilnahmen.


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