Andreas Fronius hat fünf Gründe für die Abwanderung junger Christen ausgemacht – und gibt Tipps, wie man es besser machen kann. Der 23-Jährige ist Jugendpastor in der Evangelisch-Freikirchlichen Gemeinde (Baptisten) in Lörrach bei Freiburg.

 

5 Gründe, eine Jugendgruppe zu verlassen

 

1. Lebensfremde Auslegung der Bibel

Wenn Andachten am wirklichen Leben vorbei gehalten werden,

schalten die Zuhörer ab. Wichtig ist es, den Bogen von den historischen

Fakten zum persönlichen Leben von heute zu spannen. Ob

eine Andacht nur 20 oder 60 Minuten lang ist, spielt dabei keine so

große Rolle. Viel wichtiger sind die Verständlichkeit und der lebensnahe

Input. Es geht darum, den biblischen Inhalt auf die heutige Zeit

zu übertragen. Wer sich etwa mit den Paulus-Briefen auseinandersetzt,

findet darin viele Tipps für die Gestaltung des heutigen Lebens.

 

2. Kein Eingehen auf persönliche Probleme

Wenn nicht auf Alltagsprobleme eingegangen wird und stattdessen

das Programm auf einen bunten Abend hinausläuft, fühlen

sich die Jugendlichen schnell vernachlässigt. Es gibt eine Reihe von

Themen, die vielen unter den Nägeln brennen, die aber in der Gemeinde

zu selten angepackt werden. Beispiele sind Pornografie,

Magersucht oder der Umgang mit Mobbing bis hin zur Partner- oder

Berufswahl. Solche Fragen kommen oft nur in einer vertrauensvollen

Beziehung zum Vorschein. Deswegen halte ich es für wichtig, einige

Mitarbeiter zu haben, die nur als Mentoren da sind.

 

3. Jugendliche werden ins kalte Wasser geworfen

Natürlich sagt niemand: „In unserer Gemeinde dürfen Jugendliche

nichts tun.” Meistens ist es eher so, dass entweder bereits feste

Teams (z. B. Musik, Tontechnik oder Moderation) bestehen und die Jugendlichen

nicht richtig eingelernt werden. Stattdessen wirft man sie

ins kalte Wasser und erwartet sofort, dass sie perfekt funktionieren.

Oder sie werden gefragt, ob sie nicht von sich aus ein Team aus dem

Nichts auf die Beine stellen – ohne die Hilfe von erfahrenen Leuten.

Diese zwei Arten, Jugendliche zu fragen, ob sie in einer Gemeinde

Verantwortung übernehmen wollen, sind falsch. Man kommt nicht

drum herum, sich ausreichend Zeit zum Einlernen und Integrieren

zu nehmen. Auch hier wird klar, dass es immer erfahrenere Leute

braucht, die sich um die Jüngeren kümmern.

 

4. Widersprüchliches Leben der Gemeindeglieder

Authentizität ist das A und O. Was eigentlich eine Selbstverständlichkeit

für einen jeden Christen sein sollte, gilt in besonderem

Maße auch für diejenigen, die Verantwortung tragen – also auch in

der Jugendarbeit. Wer beispielsweise predigt, dass man seine Eltern

ehren soll, aber selbst über sie ablästert, verliert vor den anderen seine

Glaubwürdigkeit. Deshalb müssen Jugendmitarbeiter die Bereitschaft

mitbringen, sich von anderen korrigieren und hinterfragen zu

lassen. Im Extremfall gilt es, dem heuchelnden Christen den Laufpass

zu geben und ihn aus der Mitarbeit auszuschließen. Solch ein Schritt

tut zwar sehr weh, gehört aber für einen guten Leiter dazu.

 

5. Fehlendes Gegenüber

Beziehungen zwischen gleichaltrigen Jugendlichen sind wichtiger

denn je. Wenn ich im Jugendkreis eigene Freunde habe, werde

ich ihn eher auch regelmäßig besuchen. Ein Mitarbeiter der Jugendarbeit

kann gut den intensiven Kontakt zu drei Jugendlichen pflegen.

Aber es ist auch wichtig, dass sich die Jugendlichen selbst umeinander

kümmern. Sie sollten außerhalb des Programms Zeit miteinander

verbringen, ins Kino gehen, Grillen, Fußball schauen etc. So kann sich

ein stabiles Beziehungsgeflecht entwickeln. Solche Aktivitäten können

von den Jugendmitarbeitern angestoßen werden – im Optimalfall

werden sie dann zu einem Selbstläufer.