Entscheidung für ein Zeichen der Liebe

 

„Und wenn dich jemand nötigt, eine Meile mitzugehen, so geh mit ihm zwei.“ (Mt 5,41).

 

Die Menschen damals litten unter der Fremdherrschaft der Römer. Ihnen wurden hohe Steuern auferlegt, und sie mussten nach fremden Gesetzen leben. Dieser Zustand herrschte im Grunde, seit die Babylonier den Tempel 586 v.Chr. zerstört und die Juden in die Gefangenschaft geführt hatten. Zwar kehrte eine kleine Schar Juden aus dem geografischen Exil in die Heimat zurück, aber die theologische und politische Entfremdung dauerte an, weil die Besetzung des Landes durch fremde Kulturen nicht enden wollte. Die Auseinandersetzung mit dem Heidentum und die vergebliche Ausschau nach dem ersehnten Messias kostete Kraft.

 

Und so gaben viele auf und verkauften sich an das jeweilige Herrschaftssystem. Andere wurden zu Aussteigern. Wie die Verfasser der Schriftrollen vom Toten Meer bei Qumran, die aus der „verdorbenen Welt“ den Rückzug antraten. Wieder andere waren entschlossen, den Kampf aufzunehmen. Das Programm der Zeloten – der Widerstandskämpfer – war kurz und knapp: Sprich dein Gebet, schärf dein Schwert und kämpfe den heiligen Krieg.

 

Die Menschen damals in Israel glaubten also, drei Optionen zu haben: sich anzupassen, auszusteigen oder zurückzuschlagen.

 

Jesus aber konfrontiert sie mit einer vierten: Dient denjenigen, die euch hassen. Vergebt denen, die euch Unrecht tun. Setzt euch zuunterst an die Tafel. Trachtet danach, anderen zu dienen, und lasst euch nicht zuerst bedienen. Sucht nicht die Vergeltung, sondern die Freundlichkeit! Jesus vermittelte ihnen eine neue Idee: die Idee der Zweiten Meile.

 

Angehörigen der römischen Truppen konnten auf legalem Wege jüdische Bürger dazu zwingen, für eine Meile ihr Gepäck zu tragen. Ein Befehl genügte, und schon musste der Bauer seine Feldarbeit unterbrechen oder der Bäcker sein Brot liegen lassen.

 

Und nun sagt Jesus: Leiste sogar mehr, als von dir verlangt wird. Wenn du eine Meile gegangen bist, dann bleib nicht stehen, sondern geh noch die zweite. Verblüffe den Fremden, indem du sagst: „Freund, ich habe noch nicht genug für dich getan. Ich gehe noch eine zweite Meile mit dir.“ Tun sie also mehr, als von ihnen verlangt wird. Und tun sie es freudig und würdevoll!

 

(Aus dem Buch „Limonadenrezepte für Zitronentage“ von Max Lucado)