Gemeinde, ein zu Hause?

Es ist schon komisch wie schnell mir Dinge auffallen die nicht richtig laufen. Sachen, eigentlich winzige Kleinigkeiten die einem sofort ins Auge fallen. So als ob das Gehirn darauf programmiert ist, ja nach jedem so unbedeuteten Fehler zu suchen. Das Auge scannt die Umgebung danach ab. Jedes Verhalten und jedes Gespräch wird kritisch analysiert. Mir fallen sofort tausende von Dingen auf. Fühl ich mich vielleicht dadurch besser, wenn ich Fehler finde? Sehe ich mich dann als jemanden, der darüber steht? Ich wundere mich über mich selber. Wie leicht geht mir doch die Kritik von den Lippen.

 

Ich wünsche mir selber eine schöne Gemeinde. Habe irgendwelche Vorstellung davon. Dann wird diese Vorstellung am Sonntagmorgen nicht erfüllt und ich bin stolz auf meinen guten Riecher in Bezug „Was alles falsch läuft“. Fühle mich bestätigt. Aber es vergeht eine gewisse Zeit. Ich beruhige mich wieder. Und dann frage ich mich, was denn eigentlich mit mir los ist. Woher kommt diese Kritiksucht? Und mir wird bewusst, dass diese Einstellung nicht wirklich konstruktiv ist. Diese Einstellung zerstört. Zerstört auch mein Herz. Denn eigentlich wünsche ich mir in der Gemeinde willkommen zu sein. Ich möchte gerne da hingehen. Ich will und will und will. Aber will ich auch dazu beitragen, dass Gemeinde ein schöner Ort werden kann? Ein zu Hause? Will ich mir Zeit für die Menschen nehmen? Will ich freundlich zu anderen sein, wie ich es auch für mich wünsche? Will ich ein offenes Ohr für andere haben? Will ich mehr Zeit für Gemeindearbeit einräumen? Will ich mitanpacken? Will ich meine Ideen miteinbringen? Bin ich auch bereit neue Ideen mitzutragen? Oder will ich nur weiterhin kritisieren?

 

Dass sind alles persönlich fragen an mich. Tag täglich muss ich mich entscheiden, welcher Stimme ich mehr hören will. Und ich weis, dass viele mitanpacken wollen. Viele haben Ideen. Viele wollen sich gebrauchen lassen. Wollen ihren Platz in der Gemeinde haben. Wollen nützlich sein. Und viele tun es auch. Man trägt zur Gestaltung des Gottesdienstes bei. Man fühlt sich gebraucht und nützlich. Und man hat nicht nur den Wunsch dass die Gemeinde ein schöner Ort werden könnte, sondern tut auch etwas für diesen Wunsch. Lasst uns also unsere Kritik, die auch bestimmt nicht immer grundlos ist, beiseite legen. Lasst uns selbst etwas gegen manche Umstände unternehmen. Hören wir auf, es immer auf die andere schieben zu wollen. Packen wir selber an. Geben wir uns selbst einen Schubs. Auch wenn wir auf Ablehnung stoßen, geben wir doch nicht gleich auf. Natürlich ist es leichter gesagt als getan, ich weis. Wir sind sehr verletzlich und manchmal schützt uns unsere Kritiksucht vor weiteren Verletzungen. Aber durch eine neue Begegnung mit Jesus können wir wieder ein neues Blickfeld bekommen. Wir können wieder still werden. Wir können wieder ruhig manches überdenken. Wir können wieder vergeben. Und wir können wieder aufstehen und weitermachen. Mit Jesus ist wieder neues möglich. Packen wir’s an.