Wer bist du?

Wärst du überrascht von einem Freund solch eine Frage gestellt zu bekommen? „Wer bist du?“ Wie jetzt? Du kennst mich nicht? Und ich dachte dass genau deshalb Freunde ja da sind – um einander zu kennen. Liegt es daran, dass ich nicht viel von mir preisgegeben habe? Bin ich zu verschlossen? Darf keiner mich etwas besser, tiefer kennen? Oder liegt es an den anderen? Sind sie zu oberflächlich und hören nicht richtig zu? Bin ich vielleicht ein guter Schauspieler, der seine Gefühle meisterhaft verschleiern kann? Oder kann ich mit meinen Freunden über alles reden? Wirklich über alles! Muss kein Schauspiel abziehen. Muss keine Angst haben, dass mir plötzlich die Freundschaft gekündigt wird. Muss mich nicht verstellen. Muss mich nicht verkrampfen und jedes Wort abwägen. Kann alles sagen. Möchte aber auch zuhören. Möchte korrigiert werden. Und dass wird oft geschehen. Aber dadurch bekomme ich auch die andere Seite der Medaille zu sehen. Sehe die Sache aus einem anderen Blickwinkel. Und wie oft ergibt sich plötzlich ein ganz anderes Bild!? Und dass kann nur geschehen, wenn ich ein offenes und ehrliches Gespräch unter Freunden zulasse. Aber sich so zu entblößen ist natürlich ein Risiko. Missverstanden zu werden. Verletzlich zu werden. Schutzlos. Und weil dass so gefährlich ist, lassen wir es ja auch so selten zu. Aber wenn ich es zulasse, dann merke ich wie die alten Wunden zu heilen beginnen. Denn genau das möchte ich, endlich heil und gesund werden. Ich möchte die aufgestaute Wut nicht mehr. Den Zorn. Die Rebellion. Aus diesem Kreis will ich ausbrechen. Will wieder Harmonie. Will Frieden. Geborgenheit. Annahme. Liebe. Aber ich will es nicht von anderen erwarten. Ich will selbst in diesen Sachen Veränderung. Will bei mir beginnen.

 

Wer bin ich? Wie bin ich so geworden, wie ich es jetzt bin? Ist es gut geworden? Wie soll es weitergehen? Was soll noch aus mir werden? Wer soll in meinem Leben sich noch einmischen? Will ich weiter anderen gefallen? Sollen weiter andere über mein Leben bestimmen? Soll ich mich weiter anpassen und mein „Ich“ komplett in den Keller stellen? Wer prägt mich, meinen Charakter? Wie oft hab ich den Traum ein Held zu sein. Doch es gibt wenig wahre Helden in dieser Welt. Und was uns Hollywood vorgaukelt ist nichts weiter als giftige Brühe. „Helden“ die ja nichts auf sich sitzen lassen. „Helden“ die sich verteidigen und sich rächen. Tolle Helden. Und ich lass mich so leicht mitreißen. Und dann begegne ich wieder Jesus. Was für eine gegensätzige Welt. Jesus stellt so manches auf den Kopf. Er hinterfragt so manche Motive. Er geht so gerne auf den Kern des Problems ein. Und mir wird wieder von neuem klar, dass ich mir genau so eine Welt wünsche. Eine Welt die endlich aufhört den schwachen zu treten. Eine Welt in der man endlich aufhört sich gegenseitig zu hintergehen. Eine Welt in der man aufhört Chef zu spielen, um auf den anderen herabschauen zu können. Ich will wieder neu Jesus begegnen. Und das wünsche ich dir auch. Eine Begegnung die an uns Spuren hinterlässt. Und dann können auch wir Spuren hinterlassen.